Organische Architektur

Hausreportage bei Wien

Ein Wohnhaus ohne 90 Grad Winkel, dafür mit allerhand geschwungenen Linien, bietet einer Familie im 23. Wiener Gemeindebezirk Rodaun den gewünschten Lebensraum mit der Natur. Die vorgefundene Grünfläche sollte so weit wie möglich erhalten bleiben und ist nun auf schwungvolle Art und Weise mit dem Erdgeschoss verbunden.

In Wien hat sich unlängst eine dreiköpfige Familie dazu entschlossen, ihre Stadtwohnung gegen ein Haus im Grünen zu tauschen. Der Nachwuchs sollte Raum zum Toben bekommen und auch die Eltern träumten von einem Leben in der Natur. Am südlichen Wiener Stadtrand wurden sie schliesslich in der Gemeinde Rodaun fündig. Ein 500 Quadratmeter grosses Grundstück mit Rasenfläche und Baumbestand entsprach genau ihren Vorstellungen. Den Wünschen der Bauherren entsprechend, den Garten in das Haus einzubeziehen, hat das in Wien ansässige Architekturbüro Caramel ein Wohnhaus der besonderen Art entwickelt. 90 Grad Winkel sind in dem dreigeschossigen Bau praktisch nicht vorhanden. Als Leitmotiv für den Entwurf diente die Schwingung, bei der alles wie in einem Fluss ineinander übergeht. Im Erdgeschoss sind das Wohn-, Ess- und Kochbereich, die dank der vollständigen Verglasung auch mit dem Garten verbunden sind, wodurch ein 500 Quadratmeter großes Wohnzimmer aus Frei- und Innenraumbereichen entsteht.

ANEINANDERGEREIHT

In dem offenen Raum sind zunächst Küche und Essbereich angeordnet. Durch einen raumbildenden Kaminblock abgetrennt befindet sich der Wohnbereich im hinteren Teil. Hier fällt ein grasgrüner hochfloriger Teppich ins Auge, der in der abgestuften Sofalandschaft liegt. Der weiss verputzte Raumteiler dient neben seiner Funktion als wärmespendender Kamin auf der Wohnseite als TV-Möbel. Auf der Seite zum Essplatz hin sind Regalflächen für die Hausbar integriert. Sämtliche Einbauten sind aus gebogenen und lackierten sogenannten mitteldichten Holzfaserplatten (MDF) gefertigt.

So auch die Küchenzeile, die entlang der geschwungenen Glasfassade verläuft. Hier sind Waschbecken, Spülmaschine und zahlreichen Schubladen untergebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite bietet ein raumhoher mit Zebraholz furnierter Einbauschrank Platz für die elektrischen Geräte und zusätzlichen Stauraum. An die frei im Raum stehende Kochinsel mit Kochfeld und eingelassenen Flächen für Küchenkräuter schliesst der lange hölzerne Esstisch an. Auch die Fassade des organisch geformten Gebäudes ist alles andere als konventionell. Das Erdgeschoss des in Massivbauweise aus Beton errichteten Gebäudes ist auf der Süd- und Westseite vollständig verglast. Weisse Vorhänge, die vor der Fensterfront zugezogen werden dienen als Sichtschutz und bilden einen wehenden Übergang vom geschlossenen Wohnraum ins Freie. Semitransparente Elemente aus Polycarbonat bilden im Obergeschoss eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade, die von vertikalen Fensterbändern unterbrochen wird.