Küchendesign braucht Handwerk.

Interview mit Peter Achermann

Nur Trendsetter sein reicht nicht aus. Schon gar nicht, wenn es um eine Langzeitinvestition wie die neue Küche geht. Es geht um die Echtheit des Materials und die haptische Qualität. Es geht um einfühlsame Planung und um moderne Technologien.

 

Herr Achermann, wie passt sich das Küchendesign den heutigen Lebensformen an?
Die Küchen sind heutzutage deutlich funktionaler, die technologischen Neuerungen präsenter. Die Geräte sind vernetzt und zusehends online steuerbar. Der Wohnbereich rückt immer näher zur Kochinsel. Und die Möglichkeiten der individuellen Anpassungen sind grösser denn je.

Wenn wir gerade beim Thema sind: Wie sinnvoll ist die Digitalisierung in der Küche?
Dazu gibt es keine generelle Antwort. Es gibt die Smarthome-Freaks und die Lowtech-Fans. Die einen lieben die Automatikprogramme des Backofens, die den gesamten Back- und Bratprozess übernehmen. Andere bestimmen lieber selbst, bei welchen Temperaturen und wie lange das Bratgut im Ofen bleiben soll. Die einen geben Voice-Order an Alexa – die andern drehen lieber die Knöpfe. Das Gute an den neuen Geräten ist: Jeder bestimmt selbst, wie viel Technologie er in seiner Küche möchte. Wer sich jedoch auf die smarten Geräte der heutigen Generation verlassen möchte, wird von den fast grenzenlosen Möglichkeiten begeistert sein. Denn die neuen Geräte sind mit allen erdenklichen Daten gespeichert, die es braucht, um zuverlässige Kochergebnisse auf höchstem Niveau zu erreichen. Da kann man getrost alle komplizierten Anleitungen, Einstellungen und Kontrollen vergessen und das Kochgeschehen bedenkenlos den Geräten überlassen.

Worauf legen Sie persönlich Wert beim Design?
Mich sprechen eher natürliche und ruhigere Materialien und Farben an. Das erlaubt es wiederum, die Einrichtungen zeitlos zu gestalten. Gerade heute arbeiten die Hersteller mit wunderbaren Materialien wie rohen Metallflächen, sei es Messing oder Eisen, edlen Hölzern, wie Eiche in allen Farbtönen oder Althölzer wie Fichte und Kiefer. In unseren offenen Küchen scheint es mir unabdingbar, dass sich Küchendesign und Materialisierung in den Innenausbau weiterziehen. Ein Küchenplaner achtet darauf, dass die Küche im Kontext zum oft nahtlos übergehenden Ess- und Wohnbereich ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

Wie sieht die Küche von morgen aus und wie werden sich die Möbel verändern?
Diese eine Küche von morgen gibt es meiner Meinung nach nicht. Denn es geht immer um individuelle Lebensentwürfe, für die wir eine Vielzahl von Lösungen brauchen. Der Küchenspezialist wird stets auf die ganz persönlichen Bedürfnisse eines jeden Kunden eingehen und die Küche entsprechend planen. Und schliesslich ist die Küche nach wie vor zum Kochen da – und dafür begeistern sich zum Glück immer mehr Menschen. Wenn jedoch der Wohnraum stets knapper wird, müssen wir unser Leben auf weniger Fläche flexibel einrichten. Die Küche ist schon heute zugleich Wohn- und Arbeitsplatz und da ist Modularität gefragt. Die Möbel müssen so designt und entwickelt sein, dass sie leicht in die anderen Wohnbereiche hineinwachsen dürfen.

Herr Achermann, was wünschen Sie sich noch für die Küche?
Vielleicht den Roboter, der mir jeden kulinarischen Wunsch auf Knopfdruck erfüllt (er lacht)! Nein, ich bin sehr zufrieden mit den Entwicklungen, wie sich die Küche in den letzten Jahren den Wohnraum zurückerobert, ja sich gar mitten ins Zentrum des Wohnens gerückt hat. Das beflügelte die Hersteller geradezu, noch intensiver mit den verschiedensten Materialien zu „spielen“. So bestimmen heute immer mehr ausgesuchte, edle Materialien das Design in der Küche. Das erfreut die Herzen der Besitzer einer neuen Küche ebenso wie uns aus der Branche.

Interview: Monica Fehlmann